Licht hat einen hohen Stellenwert für die tägliche Arbeit in der Zahntechnik. Ohne eine hochwertige Lichtquelle wird das Sehen ermüdend und nachteilig für die Augen. Die Präzision leidet, die Ästhetik geht verloren und um Wohlbefinden und Produktivität ist es auch nicht zum Besten bestellt. Fehlt die passende Beleuchtung, hilft auch kein noch so hochauflösendes Stereomikroskop - die Ränder der Restaurationen werden ungenau.
Von Manfred Eickhorst, Dipl. Physik-Ing., Artikel erschienen in "Dental Zeitung".
Sehkraft und -schärfe stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der verwendeten Lichtquelle. Eine Farbnahme am Patienten - auch wenn sie bei Tageslicht ausgeführt wurde - ist sinnlos, wenn nicht während der Verblendphase für eine entsprechende Tageslichtfarbe der Beleuchtung gesorgt wird. Wer nun aber glaubt, viel Licht bringt viel, der wird enttäuscht sein. Licht ist nicht gleich Licht, und zu viel Licht ist genauso schädlich wie zu wenig. Ebenso müssen Arbeitsstätten-Verordnungen und DIN-Vorschriften beachtet werden. Dieser Beitrag soll daher dem tagtäglich mit seiner Arbeitsplatzbeleuchtung lebenden Zahntechniker Anleitung und Hilfestellung geben und das Verständnis für Licht als Arbeitsmittel erweitern. Das Ziel ist eine ganzheitliche Lichtatmosphäre für komfortables Arbeiten im richtigen Licht.
In unseren nördlichen Breiten ist die natürliche Beleuchtung nur zeitweise für die Ausleuchtung zahntechnischer Arbeitsplätze geeignet. Die wechselnden Wetterbedingungen lassen das Tageslicht als ausschließliche Lichtquelle nicht zu, vielmehr muss eine Arbeitsplatzbeleuchtung mit künstlichem Licht vorgesehen und sorgfältig auf die Arbeit abgestimmt werden. Sie ist für den Schaffenden ein Steuerinstrument von hohem physischen und psychischen Wert. Ihre Bedeutung sollte daher hoch eingeschätzt werden.
Es genügt keineswegs, im Labor Leuchten zu installieren, die in Stunden der Dämmerung oder Dunkelheit einfach "nur hell machen". Das künstliche Licht muss vielmehr zum Wohlbefinden beitragen und die Leistungsfähigkeit sicherstellen (Abb. 1). Es ist die Aufgabe qualifizierter Lichtplanung, im Verbund mit der arbeitstechnischen und ergonomischen Konzeption des Labors ein ganzheitliches Konzept für die Beleuchtung der Arbeitsplätze und der Laborräume zu erstellen.
Kennzeichnend dafür sind lichttechnische Gütemerkmale, wie sie auch vom Laien einfach zu erkennen sind. Zum Nachteil des Arbeitenden wird jedoch immer wieder, oft aus Nachlässigkeit, Unkenntnis oder Vorsatz, dagegen verstoßen.
Gute Sehbedingungen setzen Beleuchtungsstärken voraus, die in ihrem Maß durch die "Nennbeleuchtungsstärken" der Arbeitsstättenverordnung gekennzeichnet sind. Die betreffende Arbeitsstätten- Richtlinie ASR 7/3 sowie DIN 67505 weisen für das zahntechnische Labor unter dem Begriff "Arbeitsplatzbeleuchtung" 1.000 bis 1.500 Lux Nennbeleuchtungsstärke aus.
Deckenleuchten herkömmlicher Bauart erzielen am Labor-Arbeitsplatz selten die geforderten 1.500 Lux Beleuchtungsstärke. Falls doch, dann stellt sich häufig auf Grund der Vielzahl der Leuchten starke Direktblendung ein. Anders bei Zugpendel- oder Gelenkleuchte, der Zahntechniker selbst stellt sich die Leuchte ein, und zwar so, dass bei hoher Beleuchtungsstärke (Abb. 2) dennoch keine Direktblendung aus der Leuchte entsteht.
Eine ausgewogene Verteilung der Leuchtdichten, also der visuell wahrgenommenen Helligkeitseindrücke beleuchteter Flächen im Raum, ist besonders wichtig. Sie schafft auch bei hohem Beleuchtungsniveau die Voraussetzung für körperliches Wohlbefinden und Harmonie im Raum (Abb. 3).
Entscheidend für die Arbeitsplatzbeleuchtung im Labor ist neben dem hellenArbeitsfeld eine weniger helle Umgebung. Dabei sollte die Helligkeit auf den Neben-Arbeitsflächen höchstens auf ein Drittel im Vergleich zur Helligkeit des Arbeitsbereiches abfallen. Zu hohe Werte in der Umgebung des Arbeitstisches auf horizontalen und vertikalen Flächen dagegen verschlechtern die Sehleistung. Anzustreben sind unbedingt Wandflächen mit niedrigen Leuchtdichten als Erholungszonen für die Augen beim Aufblicken von der Arbeit.
Die Helligkeits-Unterschiede von Decken, Wänden, Einrichtungsgegenständen und Bodenflächen im Labor sollten, um ausgewogen zu sein, zwischen 1:3 bis 1: 10 im Vergleich zum Wert am Arbeitsgur sein.
Blendung ist die häufigste Ursache für beleuchtungsbedingte Sehbeschwerden am Arbeitsplatz. Dabei nimmt die Blendempfindlichkeit mit dem Lebensalter stark zu. Ältere Menschen werden also durch grelle Lampen oder helle Reflexe auf der Arbeitsfläche viel stärker gestört als junge Kollegen. Licht, das von einer Lichtquelle direkt oder über glänzende, spiegelnde Flächen indirekt ins Auge fällt, bewirkt Blendung und damit eine Herabsetzung der Sehleistung. Was für Büros mit Bildschirmarbeitsplätzen gilt, ist ebenso für das Dentallabor zutreffend: keine direkt einsehbaren, sondern abgeblendete Leuchten. Dies ist mit höhenverstellbaren Zugpendel- oder Gelenkleuchten und eventuell zusätzlichen seitlichen Reflektoren auch für die Entblendung in Querrichtung einfach zu erreichen.
Für die Fähigkeit zum Erkennen der Kontur einer Oberfläche ist gerichtetes Licht erforderlich. Damit wird das Arbeitsgut nicht gleichmäßig ausgeleuchtet, sondern es entstehen Schatten. Die unterschiedlichen Helligkeiten der Schattenflächen erlauben dann eine räumliche Wahrnehmung und vermitteln den Eindruck von Tiefe und Struktur, was wir als Kontrast verstehen. Diffuse Deckenleuchten zum Beispiel bewirken das Gegenteil. Häufig werden dann Halogen-Strahler eingesetzt, um doch noch Kontrast zu erzielen.
Der Zahntechniker wird an seinem Arbeitsplatz mit wechselnden Lichtfarben konfrontiert. Tagsüber muss sich das Auge an die wechselnden Farben des Tageslichtes, morgens und abends an Zwielicht und im Winterhalbjahr ständig an die Lichtfarbe der künstlichen Beleuchtung anpassen. Arbeitstechnisch kommt die Problematik hinzu, dass die Farbnahmen seines Kunden häufig bei unbekannten Lichtfarben erfolgen. Reklamationen bei den Restaurationen sind häufig die Folge - damit verbunden erhebliche Kosten.
Eine interessante Lösung dieser AufgabensteIlung sind Leuchten mit zwei einzeln schaltbaren und/oder dimmbaren Leuchtstofflampen unterschiedlicher Lichtfarbe ("Zweiflammigkeit"). Der Nutzen dieser Leuchten für die Farbbeurteilung liegt im hohen Farbkontrast und der Simulationsmöglichkeit unterschiedlicher Lichtsituationen, wie sie auch vom Patienten nach Einsetzen der Arbeit erlebt werden. Möglich geworden ist diese Lichttechnik durch lichtstarke Kompakt-Leuchtstofflampen mit den Dulux L Lichtfarben 12 und 21. Sie entsprechen durch ihren teilweisen Vollspektrum-Charakter in hohem Maße dem natürlichen Tageslicht beziehungsweise einem neutralen Licht und sind neben der Keramik auch für andere Arbeitsplätze im Dentallabor sehr gut geeignet.
Möglich geworden ist diese Lichttechnik durch die lichtstarken SPECTROLIGHT Kompakt-Leuchtstofflampen. Sie entsprechen durch ihren Vollspektrum-Charakter in hohem Maße dem natürlichen Tageslicht beziehungsweise einem neutralen Licht und sind neben der Keramik auch für andere Arbeitsplätze im Dentallabor sehr gut geeignet.
Die Einhaltung der lichttechnischen Gütemerkmale gewährleistet dem Anwender einen Sehkomfort, wie er für die Sicherstellung von Arbeitsleistung, Qualität und Wohlbefinden eine wesentliche Voraussetzung ist. Zwei weitere technische Leuchtenmerkmale sind für besseren Sehkomfort beachtenswert. Es ist die Wärmeabführung der Leuchten und die Betriebsart mit elektronischen Vorschalt-Geräten EVG. Alle offenen Leuchten der DIALITE-Serie (Hersteller: System Eickhorst, Hamburg) sind zum Beispiel ohne Wärmebelastung für den Arbeitenden, denn die Wärme der Leuchtstofflampen wird durch die oberseitigen Öffnungen abgeführt (Abb. 4).
Werden die Lampen dann mit EVG's betrieben, so entsteht auch keine weitere Aufheizung des Reflektors im geschlossenen Bereich, wie es beim Einsatz konventioneller Vorschaltgeräte der Fall ist. Die EVG-Verlustwärme beträgt nur wenige Watt im Vergleich zu 10 bis 15 Watt der herkömmlichen Vorschaltgeräte in der Bauart Drosselspule mit Eisenkern. Und wo keine Verlustwärme entsteht, wird Energie gespart!
Der eigentliche Nutzen der recht aufwendigen EVG's für den Augenkomfort aber ist die Betriebsfrequenz von 35.000 Hz im Vergleich zu 50 Hz Netzfrequenz konventioneller Vorschaltgeräte. Kein Flimmern oder Flackern der Leuchtstofflampen, das Licht "steht" wie bei Glühlampen. Im Übrigen verlängert der EVG-Betrieb die Lebensdauer der Lampen um 50 Prozent und mehr. Vollkommen neue Aussieh ten für Zahntechniker bietet übrigens das Dimmen der Leuchtstofflampen. Gestatten Sie mir am Schluss noch ein Sprichwort: "Der Mensch ist das Maß aller Dinge". Und in einer ganzheitlichen, angenehmen Lichtatmosphäre wird er seine anspruchsvolle Arbeit produktiver und ausgeglichener vollbringen können.
| Art des Raums und der Tätigkeit | Nennbeleuchtungsstärke EN | Lichtfarbe | Stufe der Farbwiedergabe- eigenschaften | |
|---|---|---|---|---|
| Allgemein- beleuchtung (lx) | Arbeitsplatz- beleuchtung (lx) | |||
| Kontrolle (Anfangs- und End-) | 1.000 | 1.500 | tageslicht-weiß | 1 |
| Planen und Vermessen | 1.000 | - | neutral-weiß, warm-weiß | 1 |
| Modellherstellung | 1.000 | 1.500 | 2 | |
| Zahnauswahl | 1.000 | 1.500 | tageslicht-weiß | 1 |
| Modellieren | 1.000 | 1.500 | neutral-weiß, warm-weiß | 2 |
| Ausarbeiten (Schleifen) | 1.000 | 1.500 | 2 | |
| Verblendung, Kunststoff | 1.000 | 1.500 | tageslicht-weiß | 1 |
Keramik | 1.000 | 1.500 | 1 | |
| Löten | 300 | - | neutral-weiß, warm-weiß | 3 |
| Gießen | 300 | - | 3 | |
| Doublieren | 500 | 1.000 | 2 | |
| Einbetten (Kunststoff) | 750 | - | 2 | |
| Einbetten (Metall) | 500 | - | 2 | |
| Modell beschleifen | 500 | 1.000 | 2 | |
| Polieren | 750 | 1.500 | 2 | |
| Kundenempfang | 300 | - | 1 | |
| Arbeitsannahme | 300 | 750 | 1 | |
| Technisches Büro | 1.000 | - | 1 | |
| Kaufmännisches Büro | 500 | - | 1 | |
| Lager | 200 | - | 3 | |
| Packraum | 500 | - | 3 | |