Bericht zur Erprobung von Arbeitsplatzleuchten

Von Anne Waschulewski. 

Im Rahmen einer Fortbildung zum Thema Beleuchtung bot sich mir im Landesförderzentrum Sehen in Schleswig die Gelegenheit, am 2.10.2009 eine ganze Reihe von Arbeitsplatzleuchten selbst zu erproben.

Dies hatte mir Frau Henriksen ermöglicht, die ich im Zuge einiger Seminare an der Universität Hamburg kennen gelernt habe und welche schnell erkannt hatte, dass ich, trotz Studiums der Blindenpädagogik, mit keinerlei Hilfsmitteln ausgestattet bin, obwohl ich selber eine schwere Sehbeeinträchtigung habe. So engagierte sie sich bereits vor einigen Monaten sehr für mich, indem sie bei mir einen 2 bis 2 1/2-fachen Vergrößerungsbedarf ermittelte und mir folglich zwei Überadditionsbrillen (monofokal: +10 dpt, bifokal: +8 dpt/+3 dpt) anpasste, die mir das Lesen sowie die Arbeit am Computer erleichtern sollten. Seitdem ich diese Brillen benutze, möchte ich sie auch wirklich nicht mehr hergeben. Denn die Tätigkeiten im Studium und gerade in meiner jetzigen Situation in der Vorbereitungsphase für das erste Staatsexamen, beschränken sich fast ausschließlich auf bereits genannte Lese- und Computerarbeiten, die bis dato für mich nur mit großer Anstrengung zu bewältigen waren. Nun sind sie weitaus unanstrengender und weniger zeitintensiv.

Als weiteres Handlungsfeld zur Verbesserung meiner Situation nannte Frau Henriksen noch die Lichtgestaltung. Nun ist es jedoch sehr mühsam, zeitaufwändig und eigentlich kaum realisierbar, in irgendeiner Weise zu organisieren, mehrere Arbeitsplatzleuchten im direkten Vergleich testen zu können. Aus diesem Grunde hatte Frau Henriksen die Idee, dass ich zu genannter Fortbildung hinzukomme und die dort besprochenen Leuchten erprobe, um mir einen Überblick und den KollegInnen einen Einblick in den Eindruck von Betroffenen zu verschaffen.

Am 2.10.2009 war es dann tatsächlich so weit und ich konnte verschiedenste Leuchten ausprobieren. Dazu stellte ich mir die Situation an meinem Schreibtisch vor mit Texten und Büchern auf der linken Seite, eigenen Notizen und Drucker auf der rechten und meinen Laptop vor mir stehend. Dazu setzte ich bei der Erprobung natürlich auch meine bifokale Überadditionsbrille mit einem Arbeitsabstand von ca. 20cm bzw. 10cm Abstand zum Lesegut auf und versuchte unter den diversen Leuchten aus einem Text vorzulesen.

Dabei zeigten sich gravierende Unterschiede. Ich begann mit einer Lival mit ca. 500 lx und einer 11 W Kompaktlampe. Das Licht schien mir nicht wirklich hell und erinnerte mich fast an die simple Schreibtischlampe, die ich bislang hatte. Es war zwar etwas klarer, allerdings blendete es auf der Schrift und dieses Modell hatte leider nur ein Gelenk, wodurch es etwas zu statisch war, um es passend einzurichten.

Die nächste, ebenfalls eine Lival, brachte etwa 1500 lx mit ihrer 24 W Kompaktlampe und war damit schon etwas heller, allerdings blendete es auch hier und bei erneut nur einem Gelenk, konnte ich das Licht nicht recht lenken und schon gar nicht eine größere Fläche gleichmäßig erhellen.

Mit der folgenden Luxo FL 101 mit ca. 2500 lx durch 2 x 15 W Röhren war dann die Flächenbeleuchtung zwar möglich und auch die Beweglichkeit war mit zwei Gelenken gewährleistet, doch hatte diese einen derart großen Leuchtenkopf, dass ich mit diesem bei meinem recht geringen Arbeitsabstand permanent kollidierte.

Die Luxo Mirage brachte dann etwa 2000 lx mit einer 18 W Kompaktlampe. Diese Leuchte ist eine asymmetrische und ist dimmbar. Die Asymmetrie empfand ich als insofern angenehm, da kaum eine Blendung auf der Schrift entstand und daher der Kontrast sehr hoch war, was sehr wichtig für mich ist, da mein Kontrastsehen ebenfalls eingeschränkt ist. Allerdings ist die damit beleuchtete Fläche zwar gleichmäßig beleuchtet, bildet aber bloß einen schmalen Streifen. Dazu kam, dass das Gelenk sehr instabil war und nur gewisse Positionen einstellbar. Die Möglichkeit des Dimmens ist von Zeit zu Zeit jedoch sehr angenehm und entspannend.

Die Moll Mobilight hingegen ist recht unauffällig und filigran. Sie erzeugt aber mit ca. 1800 lx mit einer 18 W Kompaktlampe keine so große Helligkeit. Auch die beleuchtete Fläche ist zwar breiter als bei der Luxo Mirage, doch wird sie zu den Seiten hin rasch dunkler.

Auch die Trilux Tischleuchte FL6001 ist mit einer Leistung von ca. 900 lx durch eine 13 W Kompaktlampe zwar eine asymmetrische, doch wirkt das Licht viel dunkler, rötlicher und diffuser. Dadurch ist die Kontrastwiedergabe viel schlechter. Zudem hat sie nur ein Gelenk und ist daher kaum flexibel. Mit dieser Leuchte war ich überhaupt nicht zufrieden.

DIALITE VISION

Die Eickhorst Vision dagegen hat zwar auch nur ein Gelenk, doch leuchtet sie eine sehr große Fläche aus und ist zugleich dimmbar. Mit ca. 3500 lx durch eine 36 W Röhre bietet sie eine sehr gute Helligkeit. Im Gegensatz dazu wirkte das Licht der Daylight Lese-Stehleuchte mit ihren etwa 3000 lx durch eine 24 W Kompaktlampe unangenehm bläulich, während die vorigen, sofern sie nicht vollkommen rötlich, eher klar und weiß, aber nie bläulich schienen.

Einen guten Kompromiss zwischen normaler Schreibtischleuchte und einer speziellen Arbeitsplatzleuchte stellte für mich die Ikea Architektenleuchte mit ca. 1500 lx durch eine 20 W Energiesparlampe dar. Allerdings bräuchte man dann vermutlich zwei dieser Leuchten, da sie nur einen sehr geringen Bereich beleuchtet.

Auch die Ikea Metallleuchte bietet mit 1200 lx durch eine quersitzende 15 W Energiesparlampe eine gute Lichtabgabe. Jedoch ist es nicht möglich eine Lampe mit mehr Watt einzusetzen. Zudem ist sie sehr klein und unflexibel, so dass man sie eigentlich gar nicht ausrichten kann und schon gar nicht bei einem geringen Arbeitsabstand.

Das absolute Highlight dieser Runde war abschließend die Eickhorst Vision T. Mit 2 x 24 W Röhren erzeugt sie ca. 4000 lx. Da die beiden Röhren einzeln schaltbar sind und je eine andere Lichtfarbe bieten, kann man sich Abwechslung verschaffen bei längerem Lesen. Allerdings wirkte das durch beide Röhren gemeinsam erzeugte Mischlicht aus zwei verschiedenen Lichtfarben für mich erst vollkommen vollständig im Gegensatz zu allen anderen zuvor. Während die anderen entweder rötlich oder aber bläulich schienen, wirkte diese rein weiß. Das Licht war absolut klar und hell, stellte die Schrift blendfrei und sehr klar dar, so dass ich so gut lesen konnte wie noch nie. Daher würde ich vermutlich immer beide Röhren zugleich einschalten. Die beleuchtete Fläche ist auch ausreichend breit und gleichmäßig hell. Die Flexibilität ist ebenfalls gut. Diese Leuchte war von allen mein absoluter Favorit.

Bei allen Leuchten fiel mir sehr positiv auf, dass keine der Leuchten derart heiß wurde, wie meine bisherige Schreibtischleuchte es ist, wenn ich sie so nah nehmen muss, wie ich das Licht brauche. Auch wirkt das Licht bei fast allen Leuchten viel klarer, konstanter und heller als bei der herkömmlichen Leuchte. Dies führe ich auf die Vorschaltgeräte zurück. Denn es scheint tatsächlich so zu sein, dass das fehlende Flimmern, das man aber sonst nicht bewusst wahrnimmt, den entscheidenden Faktor darstellt.

Des weiteren erkannte ich die für mich wichtigsten Kriterien für eine gute Arbeitsplatzleuchte. Sie muss eine große Fläche gleichmäßig beleuchten können, dazu möglichst flexibel sein, um mit dem geringen Arbeitsabstand vereinbar zu sein, darf auf der Schrift nicht blenden und sollte, wenn ich mich entscheiden müsste, lieber bläuliches als rötliches Licht geben, am besten aber natürlich weiß wirkendes. Weiterhin sollte sie stabil und robust gebaut sein.

Alle Kriterien gemeinsam erfüllte von den oben aufgeführten und von mir erprobten Leuchten, wie bereits erwähnt, nur die Eickhorst Vision T.

Insgesamt muss ich sagen, dass diese Erprobung eine äußerst sinnvolle und erkenntnisreiche Erfahrung für mich war. Vor allem die Einsicht, dass das richtige Licht derart viel ausmacht und durchaus sehr großen Effekt zeigt, war für mich überraschend. Auch dass der subjektive Eindruck derart unterschiedlich und differenziert sein kann, war mir neu. So bin ich sehr dankbar für die Möglichkeit, diverse Leuchten im direkten Vergleich sehen zu können und hoffe, diese Erkenntnisse in Zukunft zu meinem Vorteil umsetzen zu können. Denn das richtige gute Licht steigert die Sehleistung und den Seheindruck tatsächlich erheblich."

Die Authorin Anne Waschulewski ist sehbehinderte Studentin. Wir danken ihr herzlich für Ihren Erfahrungsbericht.