Erleuchtung im Arbeitszimmer

Von Constanze Bandowski

Der Februar ist besonders schlimm. Das neue Jahr hat bereits seine ersten Federn gelassen und der Frühling mit Sonne, Licht und Wärme lässt viel zu lange auf sich warten. Wie mühsam ist das Aufstehen! Wie schwer fällt es, sich zur Arbeit zu motivieren! Dabei ist der Beruf viel mehr Berufung als reines Geldverdienen! Recherchieren und Schreiben macht mir im Grunde viel Spaß! Die Finsternis da draußen schlägt jedoch aufs Gemüt. Vielleicht leide ich unter einer Winterdepression, medizinisch gesagt: einer saisonalen Depression, kurz: SAD?

Das Büro liegt nur eine Etage höher als die Wohnung, aber die Überwindung, die Treppe hochzusteigen, den Computer einzuschal-ten, die Schreibtischlampe anzumachen und mit der Arbeit zu beginnen, erscheint schier unmöglich. Draußen ist es grau und finster. Ich bin müde und antriebsschwach, da hilft auch keine Kerze, die macht nur noch müder. Zu allem Überfluss habe ich auch noch den Auftrag, über Beleuchtung und Energiesparen zu schreiben - Glühlampen gehören bald der Vergangenheit an, Energiesparlampen, Halogenstrahler und LED-Leuchten sind die Zukunft. Bei einem Gespräch mit einem internationalen Leuchtmittelhersteller lerne ich als erstes, dass meine Schreibtischfunzel eine Leuchte ist und keine Lampe.

Um die Entstehung von Leuchtstoffröhren zu dokumentieren, be-suche ich eben diesen Leuchtmittelhersteller. Der Spezialist für Leuchtstoffröhren weckt meine Neugierde mit einem besonderen Segment: Vollspektrumlicht für die Innenbeleuchtung. Der Versuchsaufbau im fensterlosen Konferenzraum ist so schlicht wie überzeugend: In einer Nische wächst eine Grünpflanze, saftig, knackig, kern-gesund. Über dem rankenden Gewächs hängt eine Lampe mit Voll-spektrumlicht. Es entspricht in seiner spektralen Zusammensetzung fast dem natürlichen Sonnenlicht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Leuchtstoffröhren mit ihren Fehlstellen im Rot-Gelb-Grün-Spektrum füllen diese Röhren den gesamten Bereich aus und weisen zudem einen hohen Blauanteil auf, der für den sogenannten circadianen Rhythmus verantwortlich ist. Das spezielle Glas des Lampenrohrs lässt sogar etwas UV-Licht durch. Dadurch reichen acht Stunden pro Tag aus, um die Pflanze am Leben zu erhalten. Das will ich auch! Ich will aufblühen! Ich will mich mit Vollspektrumlicht bescheinen lassen!
Tageslicht, so lerne ich, reduziert Stress und hat einen positiven Einfluss auf Gesundheit, Gemütsverfassung, und Konzentrationsfähigkeit. Gerade die unsichtbaren Anteile im Spektrum des Tageslichts sind für den Menschen lebenswichtig: Die viel gescholtenen UV-Strahlen steuern wichtige Prozesse von Stoffwechsel, Drüsen und Immunabwehr. UV-B-Strahlen aktivieren die Vitamin-D3-Synthese. Das sogenannte Sonnenschein-Vitamin beugt unter anderem Rachi-tis, Krebs und Osteoporose vor. Und es wirkt gegen die Winterdepression!

„Blaues“ Licht kurz vor dem ultravioletten Bereich beeinträchtigt die Melatonin-Bildung und steuert dadurch den circadianen Rhythmus, also unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, die Herzfrequenz, den Blut-druck sowie die Körpertemperatur. Erst seit acht Jahren weiß die Wissenschaft, dass die Netzhaut neben Zäpfchen und Stäbchen, die für das Sehen zuständig sind, auch sogenannte Blau-Rezeptoren aufweist, die dieses blaue Licht erkennen und an das Gehirn weiter-leiten. Fehlt die Information, bildet der Körper Melatonin. Das Hormon bestimmt die Müdigkeit: Je höher seine Konzentration in meinem Körper, desto müder bin ich - je niedriger, desto wacher. In der dunklen Jahreszeit bleibt der Melatoninspiegel auch tagsüber erhöht. Daher also meine Trägheit! Kein Wunder, dass wir im Frühjahr alle nach Sonne lechzen, die Gesichter sehnsuchtsvoll in die ersten warmen Strahlen halten! Wir wollen Vitamin D3 und blaue Strahlen zum Wachwerden!

„Licht ist ebenso ein Arbeitsmittel wie ein guter Bleistift“, erklärt mir Manfred Eickhorst zurück in Hamburg. Der Physik-Ingenieur beschäftigt sich mit dem Thema seit mehr als 40 Jahren. Zu seiner Zielgruppe gehören Goldschmiede, Zahnärzte, Uhrmacher sowie ältere oder sehbeeinträchtigte Menschen, sprich: Personen mit einem Bedarf an hochwertiger Beleuchtung. In den Geschäftsräumen seiner Firma System Eickhorst herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphä-re. Helligkeit, wohin ich blicke. „Ich setze Licht bewusst ein, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen“, sagt er. „Licht ist biologisch wirk-sam. Es ist ein Wohlbefindlichkeitsmittel. Augenwellness findet durch die Helligkeit statt. Das ist das Entscheidende.“ Zum langsamen Aufwachen nutzt er gelbliches Licht, zu Höchstleistungen im Büro solches mit hohem Blauanteil. Kurz vor dem Schlafengehen wirkt Ker-zenschein beruhigend, fast wie ein natürliches Schlafmittel. Kein Wunder, dass ich bei meiner Beleuchtung am Schreibtisch nicht in die Gänge komme! Dann präsentiert Manfred Eickhorst verschiedene Arbeitslampen. Als das Messgerät mit 1.900 Lux höher ausschlägt als beim Tageslicht am Fenster, fällt mir das Lesen des Textes am leichtesten. „Probieren Sie es aus“, sagt der Familienunternehmer und drückt mir eine Tischleuchte in die Hand. „Nehmen Sie sie mit nach Hause und lassen sie sich überzeugen!“ Es ist eine „Dialite Flip Batt“ mit Akku und einer 18 Watt Kompaktleuchtstofflampe mit Vollspektrum-Tageslicht. 

Zurück am Schreibtisch installiere ich das praktische Ding und wundere mich über dessen Wirkung: Selbst noch so Kleingedrucktes ist wunderbar lesbar, mein Mittagsloch ist plötzlich erträglich, die Abendschicht fällt leichter als je zuvor. Statt Halogenlampe und Kerze mache ich morgens meine Tischleuchte an. Seitdem kann ich mich besser konzentrieren, das Schreiben macht wieder Spaß. Die kommenden Tiefdruckgebiete mit grauem Himmel und Regengüssen sind unangenehm, aber ich verfalle zumindest nicht in Lethargie. Anfang März kommt endlich die Sonne heraus, ich halte mein Gesicht hinein und spüre förmlich, wie sich über die Einstrahlung auf der Haut Vita-min D3 bildet. SAD ade! Allmählich blühe ich auf, vielleicht nicht ganz so üppig wie die besagte Grünpflanze, aber der Sommer wird’s schon richten.

Seit kurzem muss ich mein neuestes Büroinventar gegen feindliche Übergriffe verteidigen: Die Kinder versuchen es mir abzuluchsen, weil sie abends im Bett so lange wie möglich lesen oder mit Bügelper-len spielen wollen. Mein Mann hat es schon mehrfach in die Garage verschleppt. Neulich kam ein Aufschrei aus dem Bad: „Komm mal mit deiner Lampe! Ich seh‘ hier nix mehr!“ Da stand er mit seiner neuen Lesebrille vor einer Verteilerdose und kam nicht weiter. Im Alter braucht das Auge nicht nur optische Hilfen, sondern auch mehr Licht. Deshalb hat mein Vater zu seinem 78. Geburtstag ein besonderes Geschenk bekommen. Sie wissen schon was…
Übrigens haben die Eltern im Klassenzimmer meines Sohnes Vollspektrumlicht installieren lassen. Die Lehrer sind von der ruhigen Ar-beitsatmosphäre höchst angetan. Die Schülerinnen und Schüler ge-lten als besonders konzentrations- und leistungsstark. Das waren sie schon immer, aber vielleicht sind die besonderen Leuchtstoffröhren auch förderlich für gute Stimmung unter Pubertierenden…

Authorin: Constanze Bandowski, Hamburg
E-Mail: cobando@web.de